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Das Lübbener Schloss

Von der markgräflichen Burg zum Museum

Der heutige Schlosskomplex besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: dem im Kern spätmittelalterlichen Schlossturm, sowie dem sogenannten Schloss bzw. Oberamtshaus aus dem 17. Jahrhundert mit einem kleineren Nebengebäude, dem Marstall, in dem sich Schlossbezirk um 1935heute die Stadtbibliothek befindet. Ein zweiter Flügel, der Ostflügel, wurde bereits 1930 abgerissen. Der gesamte Schlosskomplex, insbesondere der Schlossturm, wurde im frühen 20. Jahrhundert tiefgreifend umgestaltet.

Rekonstruktion der Turmburg im 14. Jh.An Stelle des Schlossturmes befand sich spätestens seit dem 12. Jhd. eine Wasser- bzw. Turmburg, um hier die wichtige Passage durch den Spreewald zu sichern. Diese Burg wird um 1150 erstmals als „urbs lubin“ erwähnt. Der heutige Schlossturm stammt im Kern jedoch wohl erst aus dem 14. Jhd., vermittelt aber mit seinen bis zu 2,5 m dicken Backsteinwänden noch einen guten Eindruck dieser mittelalterlichen Turmburg. Hier lebten Burggrafen, seit dem 14. Jhd. gelegentlich auch die Landvögte der Niederlausitz als Vertreter der wechselnden Landesherren. Dies waren seit der deutschen Eroberung im 10. Jhd. zumeist die sächsischen Wettiner, seit 1367 der böhmische König.

SitznischenportalIm 16. Jhd. wird der Vorgänger des heutigen Schlossgebäudes errichtet, in dem die Landvögte der Niederlausitz nun dauerhaft residieren. Nachdem die Niederlausitz mit Lübben 1635 wieder sächsisch geworden war, lässt der neue Landesherr Christian I. von Sachsen-Merseburg 1680 auch das heutige Schloss neu errichten: Hervorzuheben sind insbesondere der prachtvolle Giebel und das Sitznischen-Portal mit dem Wappen Christian I. Im 19. und 20. Jhd. folgen kleinere Um- und Anbauten.

Wappensaal im SchlossturmDas Schloss bleibt unter sächsischer Herrschaft zunächst Sitz des Landvogtes. 1666 wird dieser dann durch eine Oberamtsregierung ersetzt, dessen Präsident nun im Schloss residierte. Mit der Bildung des Herzogtums von Sachsen-Merseburg (1656-1738) wird Lübben zudem Nebenresidenz der Herzöge, die bei Ihren gelegentlichen Aufenthalten in Lübben in einer separaten Wohnung im Schlossturm wohnten. In dem großen Turmsaal ließen sich die Herzöge bei ihrem Regierungsantritt zudem von den Vertretern der Niederlausitzer Stände huldigen. Die Stände kamen zu ihren Landtagen bis zum Bau des Ständehauses 1717 zumeist ebenfalls hier zusammen.

Mit dem Wiener Kongreß 1815 wurde die Niederlausitz Teil des preußischen Regierungsbezirks Frankfurt (Oder). Lübben verlor damit schlagartig seine überregionale Funktion als Regierungssitz und war nur noch Sitz des Landkreises sowie mehrerer Gerichte. Residierte der Landrat weiterhin im Schloss, so wurde der Schlossturm nur noch als Lager genutzt und verfiel zusehends. Der 1930 abgerissene Ostflügel diente als Amtsgericht.

Nordportal von 1914Aus Anlaß der 100jährigen Zugehörigkeit der Niederlausitz zu Preußen erfolgte 1914/15 schließlich der letzte tiefgreifende Umbau des Schlosskomplexes durch Adolf Zeller: Der alte sächsische Huldigungssaal wurde auf Kosten der darüberliegenden Herzogswohnung vergrößert und mit 115 Wappen der Städte und Herrschaften der Niederlausitz sowie einem gewaltigen Historiengemälde von Schlossbezirk von OstenAugust Oetken ausgemalt. Der Haupteingang wurde in Form einer Ehrenpforte auf die Turmnordseite verlegt und die gesamte Raumstruktur verändert.

Nach 1945 zog die Berufsschule in das Schlossgebäude, einige Räume wurden zudem als Galerie der Stadt genutzt. Der Huldigungs- bzw. Wappensaal wurde von 1950 bis ca. 1970 als Heimatmuseum, nach der Renovierung 1981 für verschiedenste Veranstaltungen genutzt. Zuletzt wurde der gesamte Schlosskomplex zwischen 1998 und 2008 aufwendig saniert und dient seit 2001 nun als Museum. Der Schlossturm wird weiterhin für Veranstaltungen und Trauungen, der Marstall für die Bibliothek genutzt.